herzlich,
Adj.,
bei adv. Verwendung auch
herzlichen
.
1.
›seelisch, psychisch, geistig‹; fließender Übergang zu
2; zu
(
das
)
4.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1,
,
8,
,
(Adv.)
3,
(Adj.)
4,
.
Syntagmen:
etw.
(Subj.)
jm. h. we tun
;
der herzliche schmerz, die herzliche qual, das herzliche leid / mitleiden / we
.
Belegblock:
Karnein, Salm. u. Morolf
128, 4
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
von hertzelichem leide | er sin hare uß sinem heubt brach.
Vetter, Pred. Taulers
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
sicht ein mensche sinen nechsten vallen, noch denne das es im herzeklich we tuͦt.
Roloff, Brant. Tsp.
1571
(
Straßb.
1554
):
Diser Ritter ist so tugentreich gesein | Das er hertzlich leid hatt und pein / | Das er ein tag predig hatt versumpt.
Andreae. Ber. Nachtmal
340, 20
([
Augsb.
]
1557
):
wol ain hertzlich mitleyden zuhabē ist / mit allen denen / so noch vnter dem Papsthum̄ sein.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
etlich fur seinen augen gepeiniget und sich alles des gevlissen, das seinen gnaden ain hertzlicher smertzen gewesen ist.
Helm, H. v. Hesler. Nicod.
;
ders., H. v. Hesler. Apok.
;
Mieder, Lehmann. Flor.
515, 13
;
2.
›aus tiefstem Herzen, aus dem Innern kommend, voller Gefühl und (religiöser) Hingabe, innig, innerlich‹; damit auch: ›leidenschaftlich‹; ›aufrichtig, wahrhaftig‹; in den Belegen nicht immer deutlich von 1 zu trennen; vgl.
(
das
)
4;
5.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion‘, auch ,Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
1,
; vgl.
(Adj.)
3,
,
4,
2;
,
2,
2,
3,
,
(Adj.)
7;
12.
Syntagmen:
h. büssen
;
jn. h. bitten / betriegen, etw. h. begeren / bereuen / betrachten / erseufzen
;
jm. h. danken
;
h. um hilfe schreien
;
der herzliche ernst, die herzliche busse / dankbarkeit / freude / liebe / träne / treue
;
das herzliche anrufen / gebet / klagen
.
Belegblock:
Helm, H. v. Hesler. Apok.
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Daz her Got vorcht und minnet | Mit herzelichen truwen.
sie [zeitliche straffe] wird sehr gelindert aus lauter gnaden, nach der hertzlichen Busse, gebet, gehorsam, demut gegen Gott.
Ich kehre mich nicht dran, was jener von mir zeugt, | der mündlich mich hat lieb und herzlich doch betreugt.
Quint, Eckharts Pred.
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Dâ ist alsô herzenlîchiu vröude und alsô unbegrîfelîchiu grôze vröude, daz dâ nieman volle abe gesprechen kan.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
31, 21
(
omd.
,
1487
):
Er [man] magk auch vnd sall billich das selbe seÿn gehorsames weÿpp Jn hertzlicher liebe vnd eren halden.
Logau. Gott
157, 10
(
Breslau
1644
):
wir kehren vmb / vnd sind beflissen Hertzlich zubuͤssen.
Ders. Abdank.
163, 20
(
Liegnitz
1651
):
Wir [...] haben mittler Zeit [...] nichts so inniglich und hertzlich erseuffzet / gewuͤntschet und begehret / alß den lieben FRIEDE.
Vetter, Pred. Taulers
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
daz enmúgent wir nút erwenden denne mit eime geswinden dappferen ernste und mit hertzelichem innigem steten gebette.
Ruh, Bonaventura
360, 22
(
orhein.
,
um 1480
):
zuͦ dem erst erzallen die gebresten der versimniß [...] aller meist in gebet, vnd daz in zwey teyl, des múntlichen vnd hertzlichen gebettes halp.
Jörg, Salat. Reformationschr.
45, 24
(
halem.
,
1534
/
5
):
die cristenlich kilch werd angefochten / [...] / das sj hertzlich werde schryen umm hillff damit das schiffli Petri nit ertrinck.
daß nachgesetzte Gnaden vnd Ablaß allen den jenigen auff ewige Zeit gegeben / so ihre Suͤnden hertzlich berewen.
Lemmer, Schernb. Frau Jutte
1477
;
Knape, Messerschmidt. Bris.
1, 22
;
Wyss, Luz. Ostersp.
7169
;
Bauer, Geiler. Pred.
77, 4
;
79, 33
;
3.
›die Emotionen ansprechend, innerlich berührend, aufwühlend‹; vgl.
(
das
)
5.
Belegblock:
Reichmann, Dietrich. Schrr.
172, 33
(
Nürnb.
1548
):
Das ist nu dise schoͤne herzliche / troͤstliche predigt vō Christo.
ach herzkliches guͦt, disú stunde enmag von minem herzen niemer me komen.
4.
zur Charakterisierung von Menschen und ihren Eigenschaften: ›freundlich, lieb, liebevoll, gut, gütig‹; vgl. am ehesten
(
das
)
9.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.)
3,
(Adj.)
1; vgl.
,
1,
3,
2,
1,
4,
.
Gegensätze:
vgl.
(Adj.),
,
8.
Syntagmen:
h. gegen jm. meinen, geneigt sein, h. zu jm. sprechen
;
der herzliche junker, die herzliche umfahung / vorbringung, das herzliche gebet / kind / lieben
.
Belegblock:
Knape, Messerschmidt. Bris.
3, 25
(
Frankf./M.
1559
):
Doch lieber hertzlicher Junckherr / redet jhr von der sach / vnd rathet das best darzu / jhr seit der Vatter.
Anderson u. a., Flugschrr.
24, 8, 6
([
Straßb.
]
1524
):
wie hertzlich vnd gutes auch ein Rat gegen ynen alle͂ [...] meynet.
Kehrein, Kath. Gesangb.
(
Nürnb.
1631
):
O hertzliches Kindelein
[Jesus],
| Ach mein Schuldt wilstu zahlen fein.
eingedenk sölcher grosser herzenlicher eur fürbringung und gepet, so ir dan den fürsten [...] getan habt.
Glatz, Chron. Bickenkl.
.
6.
zum Ausdruck der Intensivierung und Verstärkung eines Geschehens / einer Handlung und zur Steigerung von Zuständen: ›sehr, stark, intensiv, zutiefst, besonders‹; anschließbar an
2, der Bezug auf das Herz als Sitz der Empfindung ist oft noch mehr oder weniger deutlich vorhanden.
Gehäuft seit M. 16. Jh.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
6,
4,
3,
3,
(Adj.)
14;
15,
1,
2,
1;
2,
1,
6,
.
Syntagmen:
h. klagen / weinen, jn. h. lieben
; als Gradadv.:
h. demütig / fro / gern / gut / leid / lieb / ser / wol
.
Belegblock:
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn
(
Wolfenb.
1594
):
Hertzlieber Bruder, Ich wolts hertzlich gerne thun.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
647, 4395
(
Magdeb.
1608
):
Da waren die Froͤsch hertzlich froh / | Das nach jhrem wunsch gieng also.
O Gott [...] mach vns hertzlich demuͤtig vnd danckbar in der vbung des Heiligen waren Glaubens.
Rueff, Rhein. Ostersp.
1356
(
rhfrk.
,
M. 15. Jh.
):
so ist der gesmack [des wines] hertzlich gut.
Perez, Dietzin
1, 405, 5
(
Frankf.
1626
):
Dann er sah wie hertzlich die Cleria jhren Ehemann liebte.
Jch meine es fuͤr meine Person hertzlich gut mit dir.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
78, 18
(
tir.
,
1464
):
da fraget ich in, warum er als herczenleichen wainet.
Wackernell, Adt. Passionssp. Br. I,
261
(
tir.
,
1551
):
O liebe Muetter, ich woldt herczlich geren | Dich deines pittens geweren.
Peil, a. a. O.
595, 2809
;
630, 3880
;