reuig,
reuiglich,
Adj.
/
Adv.
1.
›traurig, kummervoll, trauernd‹ (von Personen); mit sachlicher Bezugsgröße: ›mühevoll, elend‹;
zu 1.
Phraseme:
reuig gekleidet
›in Trauerkleidern‹.
Bedeutungsverwandte:
1, 1, 2, .

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Wil der mensche nû alle zît gedenken an die vierzic [mark], die er hât verlorn, sô blîbet er ungetrôst und riuwic.
als got niht enmac betrüeben oder leidic gemachen, als wênic möhte den menschen iht riuwic oder leidic gemachen.
Buch Weinsb. (
rib.
,
um 1560
):
der lichen folgden die ritterschaft, darnach ein rat, alle reuwich gekleidt.
Ebd. (
1569
):
des reuwigen lebens in der welt eiz ungewon.
Chron. Köln (
Köln
1499
):
dairvur
[vor den Sargträgern]
gingen 6 par ruwiger lude.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
,Job‘ daz spricht ,ain rúwig man‘.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Anden [Martha und Magdalena] man mochte schowan | Gar rúweklich grosse klage | Und klæglichú jamer sage.
Munz, Füetrer. Persibein
92, 3
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Morgens ward von in paiden, | alls es pegunde tagen, | erhaben ain rewig schaiden.
Primisser, Suchenwirt .
2.
›reumütig, zerknirscht‹; überwiegend speziell vor dem Bezugsrahmen christlicher Bußpraxis: ›bußfertig, voller Reue, bereit zur Reue‹; im Sinne einer Grundhaltung bzw. einer inneren Einstellung des Christen auch: ›demütig bereit zur Einsicht in die eigene Sündhaftigkeit‹;
zu 2.
Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.

Belegblock:

Luther, WA (
1529
/
30
):
Haben sie gelebd wie die hunde und sewe, so las man sie auch sterben wie hunde und sewe, Es sey denn, das sie gar starcke zeichen eines rewigen glewbigen hertzens beweisen.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
wen her mit siner wisheit | di ruwige sele irluchtet, | daz si an siner genade irvuchtet.
wer hie ruwiclichen bichtet | und sin ding zu gote berichtet, | den vluhet dort daz hellevur.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
766
(
pfälz.
,
1436
):
von barmhertziger gute ,güsset er eym solichen rüwigen menschen jn sin gnade‘.
Feudel, Evangelistar
11, 13
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
daz her hat mich gesalbet unde gesant [...] gesunt czu machende dy dy do synt ruweges herczen.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
18, 84
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
darumb schullen wir [...] widerkeren [...] mit ganczem rewigem und demutigem herczen waynend und sewfczend czu dem vater der parmherczikeit.
Reichert, Gesamtausl. Messe
14, 8
(
Nürnb.
um 1480
):
wenn er [der priester] in die kirchen kumbt, so sol er gan mit rewygem hertzen in die sacristei.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
als Marien Magdalenun beschah, do si Cristus mit ruwigem herzen und weinenden ogen sin goͤtlich fuͦss wuͦsch, und ir got alle ir súnd vergab.
Der gewan von gote gnad zuͦ im und bihtet im als ruͤweklich, daz sú baide wurden weinende.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Des kament sú inrúwig laid | Umb ir zerbrochen kruͤge.
Drescher, Hartlieb. Caes. ;