richter,
der
;
-s/-Ø
.
1.
›Person gehobener sozialer Stellung, die von Amts wegen dazu berufen bzw. gewählt wird, die Rechtsprechung innerhalb eines je spezifisch definierten (rechtsgeographischen oder institutionellen) Geltungsbereichs und nach verbindlichen Verfahren auszuüben‹; ›Richter (im Sinne eines Berufes)‹; dies in den Belegen nicht immer eindeutig abgrenzbar gegen 4 und 5;
Zur Sache: (mit zusätzlichen Angaben zu den Zuständigkeiten, zu den personellen Voraussetzungen sowie weiteren Wortbildungen).
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): (
der
) 2, 1, , 2, , 1, , , ; vgl. 1, 2, 1.
Syntagmen
(in Auswahl):
j. den r. anrufen / erwälen / geben / kiesen / setzen / verklagen, die r. zusammenberufen
;
der r. ein doctor, ein diener des rechten, einer busse verfallen sein, für das gericht angesehen / gehalten werden, schuldig sein zu manen, der r. sprechen / urteilen, mit zorn, nach billigkeit / gunst richten, zu gericht / teiding sitzen, zum recht schwören, (jn.) strafen / unterweisen, jn. absolvieren / ansprechen / vermanen / verurteilen, gewaltig machen, jn. aus dem ban lassen, jn. über jn. setzen, zum r. nemen, jn. eine zauberin zu sein erfinden, (jn. / etw.) fragen, (etw.) bessern / erkennen / unterscheiden, etw. aussprechen / befelen / entscheiden / entschliessen / erlauben / verwerfen / zulassen, etw
. (z. B.
achtung, den ban, das recht zu richten
)
haben, die busse, ein verstolenes gut (an)nemen, unrecht richten, das recht anziehen, das recht / urteil verziehen, alle masse abfechten / abwiegen, etw. schuldig sein zu tun, (jm.) helfen, jm. gewalt tun, jm. das gewicht / mas zustellen
;
j. ein r. heissen / sein, r. über haupt und hals sein
;
etw
. (Subj.)
dem r. zu urteilen gehören / zustehen, j. dem r. etw. erlegen / zalen, schuldig sein, dem r. gewalt geben, ban und acht verleihen, jn. antworten
›übergeben‹;
etw
. (Subj., z. B.
ein fürgebot
)
durch einen r. geschehen, j. die herschaft um einen r. bitten, von dem r. geladen / vor dem r. gerügt werden, vor dem r. abhämen / schwören, recht nemen, etw. vor einem r. austragen, jn. vor einen r. laden, zum r. annemen / aufnemen / auserlesen / erkiesen / erwälen / ordnen / setzen / wälen
;
der r. des keisers, von des keisers gewalt
;
der alte / befolene / bequemliche / böse / fremde / geistliche / gerechte / geschworene / gestrenge / gewaltige / gewönliche / günstige / hohe / nachgesezte / neue / oberste / ordentliche / peinliche / raue / rechte / scharfe / strenge / unbequemliche / unparteiische / untaugliche / verwilkürte / weltliche / wilkürliche r
.;
der bote / brief / jarlon, die belonung / bestechung / bewilligung / erwälung, das erlauben / register / siegel / siegelgeld, die eide des richters
.
Wortbildungen:
richterbuch
›Sammlung von richterlichen Entscheidungen‹ (a. 1494),
richtereid
›richterlicher Amtseid‹,
˹
richterfutter
,
richtergabe
,
richterhelbling
,
richterholz
,
richterrecht
˺ Abgaben an einen Richter,
richtergemeine
›Richterkollegium‹,
richtergesez
,
richtergewin
›von einem Richter angenommenes Bestechungsgeld‹,
richterin
1 ›Ehefrau oder Witwe eines Richters‹ (a. 1365),
richtermal
›Mahlzeit zum Amtsantritt eines Richters‹,
richterreitung
›Kostenabrechnung eines Richters‹,
richterslon
,
richterstab
›Amtsstab eines Richters‹,
richterstelleersetzung
›Neubesetzung einer Richterstelle‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1520
):
ßo sol sich mit vleyß vorsehen eyn yglicher geystlicher richter, das er sich beweyße, wie er yn dem bannen nit anderß suche, dan das er bessere.
Leman, Kulm. Recht (
Thorn
1584
):
begriffen sy en [vredebrecher]. sy sullen en dem richter antworten.
Helbig, Qu. Wirtsch.
2, 180, 1
(
md.
,
1467
):
darumb sollen sie [...] vor des Reichs Richtern vnd gericht [...] recht nemen.
Altmann, Wind. Denkw. (
wmd.
,
um 1440
):
durch merkung und berat der selben herfundent die ob genanten richter die selbe Johanna ein zauferrerin.
Aubin, Weist. Hülchrath (
rib.
,
1607
):
sie [scheffen] sollen auch kein urteil von sich geben, sie werden von dem richter gemant.
Ebd. (
1594
):
In demselbigen ban wurt heut zu tag geboten dem fronenrichter, daß er seinen richterstab soll halten recht den armen als dem reichen.
Kollnig, Weist. Schriesh.
238, 5
(
rhfrk.
,
1571
):
Pfaltz oberster faut, her, richter uber hals und haubt.
Brinkmann, Bad. Weist. (
rhfrk.
,
1661
):
Ein richter, so oft er zusammen berufen worden, hab vier maß wein zu verdrinken gehabt.
Köbler, Ref. Franckenfort
5, 16
(
Mainz
1509
):
das solche fürgebot gescheen vor dem gerichts tag bey sonnen schein / durch einen weltlichen richter.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 217, 16
(
hess.
,
1355
):
umb dyse vorgen, stucke und eynunge hat man uns eynen richter geluhen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
95, 25
(
thür.
,
1474
):
danne her sy hernach von den geystlichin richtern geladen worden.
v. Ingen, Zesen. Ged.
15, 9
(
Breslau
1641
):
O weh vnd aber weh dem Menschen / welcher sein eygen Anklaͤger / sein eygen Vberzeuger / sein eygen Richter / vnd sein eygen Verdammer seyn muß.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica (
schles. inseldt.
,
1472
):
do hot ÿn der gesworen rechter vormanet vor gehegtem dinge.
Mon. Boica, NF. (
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
des ersten tags des egerichts muͤssen allwegen der eltst eins iglichen dorffs [...] die ruͤge sweren [...] vor dem richter und den zwelffen desselben egerichts.
Hoffmann, Würzb. Polizeisätze
140, 46
(
nobd.
,
1473
):
Nachdem wir [bischove zu Wirtzpurg] [...] unsern hofmeister [...] zu richter und versprecher an unser stat gesatzt und geordent, [...].
Köbler, Ref. Nürnberg
371, 2
(
Nürnb.
1484
):
der peinlich richter moͤchte amptshalb oder auf anruͤffen der parthey souil dar⸗Jnn handeln. als sich nach gestalt der sachen gepuͤret.
Franck, Decl.
333, 13
(
Nürnb.
1531
):
Aber die vrteilsprecher oder schoͤffen haben daruber nit muͤgen rechtsprechen / deßhalb das vrteil noch [...] vnder den richtern hangt / biß der oͤberst richter es außspricht.
Koller, Ref. Siegmunds (
wobd.
,
um 1520
):
hat ain gaystlich person mit ainem weltlichen zu schicken umb schuld oder umb erb, so soll es ußgetragen werden am gericht vor ainem weltlichen richter.
Schade, Sat. u. Pasqu. (
Straßb.
um 1545
):
[Der Huren Wirt] Cunrade, was richt der assencial ans bischofs stat auß? Cunz. Er heißt official und ist der geistlich richter, des bischofs amptman.
Niewöhner, Teichner
568, 13
(Hs. ˹
önalem.
,
um 1433
˺):
daz kain recht nit mag beschechen | denn mit drier menschen jechen: | clager, richter, antwurter.
Roder, Stadtr. Villingen (
önalem.
,
1573
):
Richter aid. Welcher zue ainem richter genomen würdet, der soll schwören ainen aidt.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
A. 14. Jh.
):
Nieman sol ǒch die offennen wage der stat behalten, wand dem si von dem richter vnd von dem rate ist bevoln.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen (
halem.
,
1446
):
nieman in siner eigen sach [...] richter soͤlte sin.
Rennefahrt, Statut. Saanen (
halem.
,
1598
/
1647
):
sein ußgesecklet gält, so er in wehrender rechts übung rechtmeßig als richterslön, gricht und apenlazcosten, ouch schryblöhn ußgeben.
Schmitt, Ordo rerum 118, 31.
1
(
salem.
,
2. Dr. 15. Jh.
):
Exonia [...] richtergäb.
Maaler (
Zürich
1561
):
Richter das ist ein diener deß billichen vnnd deß raͤchten. [...]. Richter seyn / Am gricht sitzen. [...]. Richter gesatz / Das die richter bindt oder registriert. [...]. Richtergewünn / Gewünn eines boͤsen richters auß verkaufften vrteilen.
Müller, Grafsch. Hohenb.
1, 303, 9
(
schwäb.
,
1412
/
3
):
Der Hegnerin umb das richter male 7 lb. 6 ß h.
Ders., Nördl. Stadtr. (
schwäb.
,
1488
):
Wann das urglas [...] usgelaufen. welcher richter und urtailsprecher [...] alsdann nit da ist. sol zuͦ buss geben drei pfening.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 219, 26
(
schwäb.
,
1495
):
Alßdann mu
e
gen die richter nach irer gewissin sprechen und urtailen. wie sy anse
e
he, dem rechten gemaͤß zu
e
sein.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
derhalben ruckt er mit seinen reutern hinzu, schlecht sein richterstab uf denen [...] enzwei.
nach ordnung des hofgerichts müssen die frawen, da sie den aid thon, dem hofrichter an den richterlichen stab greifen [...]. Die weiber konten vor pfutteren nit wol an richterstab greifen, und fieng menigclich an zu lachen.
Müller, Stadtr. Ravensb.
84, 18
(
oschwäb.
,
1326
/
30
):
ist gesetzet, daz die burger, die dez rates sint, dieselben sont ouch rihtaer sin.
Bastian u. a., Regensb. UB
370, 27
(
oobd.
,
1371
):
enbieten wir [...] der schultheisz und die rihtergemaine der stat zuͦ Gemuͤnde unser willig, undertaͤnig dienste.
Wutzel, Rechtsqu. Eferding
10, 31
(
moobd.
,
1415
):
Auch schol der richter vnd der rat saczleut seczen über pekchen, fleischakcher, weber [...].
Ebd.
11, 32
:
Wer auch im pürkchfrid ze Euerding verseczt oder verchaufft, der schol das tuen mit ains richters sigel vnd stet als recht ist.
Ebd.
52, 33
(
1597
):
Richter stell ersetzung.
Thiel u. a., Urk. Münchsm.
226, 35
(
moobd.
,
1478
):
das kain werntlicher richter noch sein ambtleut [...] nichts zu richten sullen haben in vnnserm gotzhaws.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
, Hs.
16.
/
17. Jh.
):
welcher schuldig ist diensttrait, markt- und richterfueter, der soll [...].
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1340
, Hs.
18. Jh.
):
daz Sand Stephan hat der richter di vrag und richterhelbling.
Bischoff, Steir. Landr. (
m/soobd.
, Hs. 
v. 1425
):
Ain richter, der dez pans nicht hat, der mag nicht gerichten vber die lewt, das mans töt.
Mell u. a., Steir. Taid. (
m/soobd.
,
1568
, Hs.
M. 18. Jh.
):
das auch er richter den wierten, weinschenken, kramern ordentliche maß, gwicht und eln [...] zuestelle.
Ebd. (
1638
):
in disem ambt werdent außer der gerichtspfening und gerichtshaber [...] auch gedient 25 käß, 42 eir [...], wiert sonsten genent richterrecht.
Wopfner, Bauernkr. Tirol (
tir.
,
1520
):
am ersten so haben wir beschwerŭng an E. F. G. richter daselbst.
Ebd. (
1525
):
Im anndern artickl irer beswărde zaigen sy an und beswărn sich der vogteyzins halben, als nemlich vogtfueder, herbststewr, madergelt, leyfersgelt, richterholtz, kitzergelt, vasnachthennen, so sy unntzher [...] raichen mŭessen.
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
232, 10
(
smähr. inseldt.
,
1414
):
mein herrn von Liechtenstain sind gwaltiger richter von aim gemerkch hincz dem andern.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
5, 15
(
mslow. inseldt.
,
1569
):
So śoll ein Jeglicher Einwoner [...] śeine gePürende Lośung [...] dem Herrn Richter erlegen vnnd zalen.
Ebd.
153, 25
(
1625
):
heütt dato erśchienen [...] 2 gerichtsgeśchworne mit meldung, wie ihr alter Richter [...] in śeiner Richterraittung [...] nicht beśtanden.
Luther, WA ;
73, 38
;
Behrend, Magd. Fragen ;
Froning, Alsf. Passionssp. ;
Löscher, Erzgeb. Bergr.
86, 36
;
153, 19
;
Grosch u. a., a. a. O.
165, 23
;
173, 14
;
Kisch, Leipz. Schöffenspr. ; ;
Ermisch, Freib. Stadtr. ;
ders. u. a., Haush. Vorw.
63, 37
;
Koller, a. a. O. ;
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 139, 8
;
Merz, Urk. Lenzb.
95, 7
;
Kläui, Schweiz. Urbare
2, 307, 6
;
Rennefahrt, Stadtr. Bern ;
ders., Zivilr. Bern ;
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu. ;
Müller, Nördl. Stadtr. ;
Gehring, a. a. O.
695, 12
;
Sappler, H. Kaufringer
3, 87
;
Auer, Stadtr. München ; Anh. ; ; ;
Drescher, Hartlieb. Caes. ;
Grothausmann, a. a. O.
7, 11
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 150
;
Piirainen, Recht Schemnitz.
1986, 311
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 287
;
Paul, Wb. Bergmannsspr.
1987, 228
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 98
.
2.
›Gott bzw. Gottes Sohn Jesus Christus als metaphysische, den Maßstäben irdischer Rechtsprechung entzogene Richterinstanz, vor der der Mensch nach dem Tod und beim Jüngsten Gericht über seine Taten im irdischen Leben Rechenschaft abzulegen und dafür (ewigen) Lohn oder (ewige) Strafe zu gewärtigen hat‹; die Implikate / Prädikationen zu
richter
2 reichen von 2, 2,
unserem knecht
, bis zum jede 1 erforschenden,
ernsten
(Adj.) 4,
almächtigen, gewaltigen, gerechtigen
, Verantwortung heischenden,
1
1, , (
das
) 2 betreffenden Urteiler, der kein Übel
ungebüsset
lässt, mit dem
feurigen schwert glizt
; sie setzen in unterschiedlicher Zuspitzung damit irdische, sowohl Verheißung wie Angst schürende Vorstellungen in die Transzendenz um; insofern als Spezialisierung zu 1 auffassbar;
Zur Sache:
LThK
4, 514
ff.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
1.
Syntagmen:
jn. einen r. glauben, der r. unser bruder sein, gesprechen mögen, richten sollen, auf einem stul sitzen
;
Christus / got ein r. sein
;
etw
. (Subj.)
bei dem r. nicht ungebüst bleiben, j. sich mit dem r. versönen, vor dem r. stehen, vor den r. gehen, gefürt werden, ein schwert
(Subj.)
vor dem r. blitzen, j. zu dem r. Christus in das ewige leben gehen, etw
. (Subj.)
zu dem r. geschrieben stehen
;
der r. der welt, der ledendigen / toten
;
der almächtige / ernste / gerechte / gewaltige / götliche / grimme / hohe / künftige / oberste / strenge r
.
Wortbildungen:
richterherre
.

Belegblock:

Luther, WA (
1529
):
Du [Jhesus Christus] sitzt zur rechten Gottes gleich | Mit aller ehr yns Vaters reich, | Eyn richter du zukunfftig bist | Alles das tod und lebend ist.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Wer moͤcht so steinigen hertz habenn / das seyn seel nit ersmeltz vnd zerfliesse vonn liebe / als er hoͤrt [...] Das vnser herr ist worden vnser knecht / der sunn Gots vnser breutigam / vñ der oberste rychter vnser bruͦder.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
393
(
pfälz.
,
1436
):
vnser herre Jhesus, der künfftig riechter der lebendigen vnd auch der todten.
Dubizmay, kurß zu Teutze
22, 5
(
hess.
,
1463
):
Wir gleuben | dich kunfftigen gewaltigen | richter.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Zu Cristo dem richtere, | [...] | Stet geschriben: [...].
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
70, 8
(
omd.
,
1487
):
gott ein so gar ernster Richter das er kein obill adder sunde vngestrafft lest.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
18, 32
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wann als kein ubel ungepußet pleibt, also pleibt auch kein gut ungelonet pey dem aller gerechtigsten richter.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
101
(
Nürnb.
1517
):
Alsdann, sofern du schnell bist, wirdestu verurteilen den richter der welt.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Ich sah mit minen inren ogen eins tages den goͤtlichen richter sizen uf sinem stuͦle.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
ist es nit ein wunder, das unser herre Ihesus Christus, unser schoͤpper und unser rihter here ist.
Stammler, Berner Weltger.
219
(
ohalem.
,
1465
):
Denne muͤssent alle moͤnschen sterben | Vnd gar jemerlich verderben, | Das sy von dem tod erstanden | Vnd zuͦsamen für den richter gangen.
Martin, H. v. Sachsenh. Jesus
125
(
schwäb.
,
1455
):
Da wirt sich höben ain gebreng, | So gott der obrost richter sitzt | Von dem ain fiwrin swert glitzt.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
wenn der öbrist rihtær nu rihten schol über leib und über sêl.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
263
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Got der Richter eruorschet alle jnnichait.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
er würd darumb antworten müessen vor got dem almächtigen richter.
Bauer, Imitatio Haller
99, 18
(
tir.
,
1466
):
sünder, was wildu antwurten dem gerechten richter, dem da offenwar sint alle deine verpargen sünden.
Ebd.
101, 11
:
An dem jungsten tag, so werden die gerechten vnd die auserwelten gottes sten vor dem strengen richter [...].
Piirainen, Stadtr. Sillein
35a, 16
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
HEr ich ste hevt vor dir alz eyn schuldiger mensche vor eynem gewaldigem richter.
Bihlmeyer, a. a. O. ; ;
Goldammer, Paracelsus
3, 291, 1
;
Stammler, a. a. O.
72
;
Bauer, a. a. O.
63, 20
;
99, 16
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 150
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 98
.
3.
›Scharfrichter, Büttel, Gerichtsdiener, Vollstreckungsbeamter‹; speziell auch: ›Henker‹;
vgl. 13.
Syntagmen:
der r. fragen
(absolut);
j. den r. ausrichten, etw. heissen, jm. einen r. leihen
;
der r. bestelt werden, auf etw. achtung haben, seinen arm aufstrecken, js. haupt abhauen, die streiche schlagen, jn. hängen, nicht reden lassen, mit marter fragen, zu stücken hauen
;
dem r. der arm verdorren, etw
. (Subj.)
dem r. befolen werden, zu lon sein
;
der gemeine / scharfe r
.

Belegblock:

Jerouschek, Nürnb. Hexenh.
8r, 43
(
obd.
,
1491
):
fragt der richter mit marter on die dreyerlay anzeugũg vnd bekeñt die person ettwas so sol er [...].
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
561, 6
(
els.
,
1362
):
Do nuͦ der richter sinen arm uf streckete mit dem swerte vnd ime sin hǒbet wolte abe schlahen do sprach dirre Santulus: [...].
Ebd. 8:
Zuͦ stunt fúrdorrete dem richter sin arm.
Ebd.
743, 12
:
Do schluͦg der richter drie streiche mit deme swerte uf iren hals.
Bachmann, Morgant (
halem.
,
1530
):
do hieß der soldan den rychter zuo im kommen [...]; zuo dem sprach er: „Du muost die zwen krysten buoben häncken [...]!“.
richter / Nachrichter / Hencker / m. [...] Carnifex.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1524
):
also ward dem richter bevolhen, daß er kain reden sollt lassen, ehe sollt er in zuͦ stucken zerhauen.
Vogel, Urk. Heiliggeistsp.
1, 267, 39
(
moobd.
,
1394
):
so habent sy vnd ir nachkoͤmen dann vollen gewalt, vͤnsers spitals pad hie zuͦ Muͦnichen darumb ze noͤtten vnd ze pfenden vnd auch zuͤzespern an richter vnd an schergen.
Bücher, Berufe Frankf.
1914, 98
.
4.
›Beurteiler, Prüfer; Schiedsrichter in verschiedenen, sowohl im Diesseits wie im Jenseits gedachten Rechtsangelegenheiten, auch in Fragen der (personifizierten) Minne; entscheidende Urteilsinstanz‹;
vgl. 15.
Bedeutungsverwandte:
1; 2, 3, 1, .
Wortbildungen:
richterin
2 ›Schiedsrichterin‹.

Belegblock:

Oorschot, Spee/Seifert. Proc.
458, 15
(
Bremen
1647
):
Eß wird das Buͤchlin selbsten ohne mich genug red⸗ wieder⸗ red vnd antwort [...] geben: wer eß nur mit Augen recht ansehen / sein vbel gefastes vorurtheil cassiren: ein von Passionen gegen mir / oder dem Autor / oder die Richtere / oder die schuldige / gesaubertes gemuth / hinein bringen wird.
Luther, WA (
1539
):
St. Augustin [...] nicht wil vertrauen, weder seinen vorfaren, heiligen, gelerten Vetern, im selbst auch nicht, on zweivel viel weniger den nachkomen, so wol geringer werden solten, Sondern wil die schrifft haben zu Meister und Richter.
Pyritz, Minneburg
4082
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Dar umb bit ich uch, liebe Mynne, | Daz ir hie dem diner min | Ein gnedig richterin wolt sin.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
Nieman enneme sich des an das er des andern richter si, er si e zuͦ dem ersten sins selbes richter gewesen.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Richter in den streiten [...] die gaben außteylet / oder sieg vrteiler.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
Robertus solte an statt deß Schiedsmans vnd Richters seyn.
Heydn. maister
8v, 16
(
Augsb.
1490
):
der letst tag vnd zeÿt ist der saͤlikeit richter. auch anfang der ding seind dem gelück verpflicht / aber die saͤligkeit wirt durch dz end allein gefestnet.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
71, 16
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
die doygen sint nicht merchund, daz in vil sachen der mensch ist ain poͤser richter sein selber.
Meisen u. a., J. Eck
43, 12
(
Ingolstadt
1526
):
sy woͤllen nit disputiren on richter.
5.
›Herr, Gebieter, Vorgesetzter; Statthalter‹; die Bezeichnung
richter
wird häufig allgemein für Amtsträger unterschiedlicher Art (mit exekutiver Gewalt) verwendet; in diesem Zusammenhang auch Bezeichnung für das alttestamentliche
buch der richter
;
vgl. 14.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , 1, 1, , 3, 1, 1, 1,
1
1, 1, 1, 3, 1, 1, 1; 2, , .

Belegblock:

Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
So manich man in der alten vnde nuͦwen E richtere waren.
Luther. Hl. Schrifft.
Ri. 2, 16
(
Wittenb.
1545
):
Wenn denn der HERR Richter
[
Mentel
1466:
vrteyler
]
aufferwecket, / die jnen holffen aus der Reuber hand.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
ir werdet zuͦ den richtêren
[
Froschauer
1531 /
Dietenberger
1534 /
Luther
1545:
Fürsten
]
und zuͦ den kuͦnigen gefûrt durch mich.
Mathesius, Passionale (
Leipzig
1587
):
wie denn auch der HERR CHristus im Buch der Richter [...] abgebildet wird.
Voc. Teut.-Lat.
aa viijv
(
Nürnb.
1482
):
Richter oder regierer. rector.
Ebd.
bb jv
:
Richter oder haubtherre. odʼ landtuogt. satrapa. [...]. Richter. tribun odʼ dinstherre odʼ landtzinser odʼ stewrmeister.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
88, 32
(
els.
,
1362
):
Do sant Siluester dis vsgeseite, do gab der keyser vnd die rihtere [...] sant Siluester gros lob.
Goldammer, Paracelsus
2, 87, 10
(
1530
/
5
):
Die vernunft ist richter über die fünf wesen, so der homo in ihm hat, und nit daß die fünf wesen meister sein, sonder die vernunft.
Ebd.
6, 206, 4
(
1530
):
was die augen sehen, das wollen sie regieren, und seindt allein augengotter und seindt die, so sich setzen in die stul der richter, der pontifices.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Des volkes richter von der stat, | Der gewaltes ambacht hat.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
68, 4
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
Unde dar umbe (heizet) der richter des volkes ein houpte.
Schmitt, Ordo rerum 104, 38.
18
(
oobd.
,
1481
):
Potestas richter vber ein freyung.
Ebd.
108, 3
(
2. H. 15. Jh.
):
Prefectus Aduocatus vogt [...] richter oder obman.
Ebd.
113, 10
(
1433
):
Scultetus schulheys schultes richter [...] richter.
Nyberg, Birgittenkl.
1, 188, 1
(
oobd.
,
1533
):
duͤrch schrifftlichen rat von vnnsserm genedigen herren zu Eystetten, der vnser geistlicher vater vnd richtter ist.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Die pfleger, richter und schergen teten mêr dan in pefolhen [...], sind oft anheber, anschürer und antrützler der durchächtung wider die christen gewesen.
Mell u. a., Steir. Taid. (
m/soobd.
,
1638
):
14 tag zuvor wiert durch den ambtman, wöllicher zu freiungszeit richter genent wiert, die freiung und das zaichen offentlich [...] aufgesözt.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
40, 36
(
tir.
,
1464
):
wie got nach dem tod Moÿsÿ auserwellët Josue zu ainem richter vnd peschirmer seinem volkh.