grille,
die
;
–/-n
.
1.
›Grille, Heimchen, zumeist ,Grillus domesticus‘, Hausgrille oder ,Liogryllus campestris‘, Feldgrille; Zikade‹; speziell: ›Grillenlarve‹.
Wortbildungen:
grillensingen
.

Belegblock:

Luther, WA (
1544
):
Also haben die alten Poeten [...] gespielet von den Grillen oder Heuschrecken.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
62, 587
(
Magdeb.
1608
):
ein gantzes fehnlein Hewschrecken / | Wolt ich mit einem sprung erschrecken / | Vnd ein halb tausent Grillen jagen.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth (
Frankf.
1602
):
daß die grillen oder heimen [...] vielleicht schlaffend in das haupt zu eim ohr ein gekrochen, drinn geheckt und ihm sein hirn schier gar verzehrt hetten.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
24, 32
(
osächs.
,
1570
/
7
):
wer viel grillen in einer stuben hat, der fahe einen lebendigen feldgrillen, setze denselben hienein, so vortreibet derselbe die andern.
Mylius (
Görlitz
1577
):
Grylli Hemen oder Grillen.
Fischer, Folz. Reimp.
33, 147
(
Nürnb.
1479
):
zweinczig löcher aus eym syb, | Zweyfallter-, fligen- und grillnsingen. | Die stuck mus man zusamen pringen.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1488
):
ime ist als der grillen hinter dem offen, er redet so man doch nit gern hört.
Harsdoerffer. Trichter (
Nürnb.
1653
):
Grille. Die kleine Mucken mit der groben und grossen Stimm / kein Ox kan also bruͤllen / als wie die Grillen grillen / verstehe / daß / [...] / die Grille eine staͤrker Stimme / als der Ox / wann man beeder Leiber Ungleichheit betrachtet. Wer kan die Grillen stillen / die allen Lufft durchgrillen [...]. Die Grillen hat die Deutung deß verdruͤsslichen Geschwaͤtzes.
Sudhoff, Paracelsus (
1536
):
wie ein leim, der zu ungleicher zeit gegraben wird, voller grüllen wechst [...] als etlich kreuter und samen. wo sie ligent, do bleibt kein grill.
Rot
315
(
Augsb.
1571
):
Gryll. Ein Gryll / vom wort Gryllus / wirdt sonst noch weyter verteutscht / Muhaim oder heim mugg auff Schweitzerisch. Ein Thierlein so sich gern auß dem laim / so bey dem newen Mon gegraben wirt / generirt.
Bauer, u. a., Kunstk. Rud.
1711
(
oobd.
,
1607
/
11
):
Grillen weiß von silber abgossen nach dem leben. Ein grill von silber abgossen übermalt.
Bremer, Voc. opt.
278
;
Schmitt, Ordo rerum
324, 14
;
Voc. Teut.-Lat.
m vijr
;
Dietz, Wb. Luther ;
2.
›Verhalten, das als unnütz, müßiggängerisch und lästig angesehen wird, Laune, Hirngespinst, Phantasterei eines Menschen, Posse‹.
Phraseme:
grillen im kopf haben
›dummes Zeug im Kopf haben; launisch sein‹;
die grillen jn. stechen
›außer Kontrolle geraten‹;
grillen treiben
›dummes Zeug machen‹;
grillen reissen
›Possen reißen, sich aus Schadenfreude über jn. lustig machen‹;
die grillen jm. steigen
›jm. dummes Zeug einfallen‹.
Bedeutungsverwandte:
 2, ,  3, .
Wortbildungen
grillart
›Phantast‹ (dazu bdv.: ),
grillenfeder
wohl so etwas wie ›Narrenkappe‹.
grillenmeier
(dazu bdv.: ),
grillenreisser
›Possenreißer‹,
grillig
(dazu bdv.: ).

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Sales. Schimpff schertz kurtzweil schwanck possen grillen.
locari. Schimpffen schertzen gatzen possen reissen grillen treiben kurtzweilen schwäncken.
Mieder, Lehmann. Flor. (
Lübeck
1639
):
Den stechen leichtlich die Grüllen / dems nicht geht nach seinem willen.
Luther, WA (
um 1535
):
Er hat gryllen ym kopffe.
Sachs (
Nürnb.
1551
):
Ich mein, es stechen dich die grillen.
So findt ich meinen man da sitzen | In einem korb hie auff der dillen, | Treibt so seltzam egel und grillen
(Der Bauer versucht auf einem Korb sitzend, ein Kalb auszubrüten).
Ebd. (
Nürnb.
1554
):
wo eim etwas wurd gestoln, | Dem sag ich war gar unverholn | Und laß in sehen in die brillen | Und reiß in seltzam zottn und grillen.
Ebd. (
1563
):
ein seltzamer grillenreiser, | Ain schalckhaftiger bawrenbscheiser.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
18
):
Wer gibt euch solche Grillen ein? | Ihr müst ander gedancken hon.
Lichtenstein, Lindener. Rastb.
160
(o. O.
1558
):
ist gůtt für die scheyssen, und die grillenfederen offentlich zůtragen, noch will man nit ungeäfft, [...] gespötet lassen, offentlich auff der strassen.
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
3788
(˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
Die selbig red vnd neydes gryllen, | Die hand sye mich geheissen sagen.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
Ein anderer kratzt hinder den Ohren. [...] Ein anderer hat keine Invention oder venam, [...], (daß ist die Grillen wollen ihm nicht steigen) er habe dann gesoffen.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Grille / geberde / possenreissung / gestus gesticulatio. Grillen treiben / possen treiben [...] Grillig / hirnwuͤtig / cerebrosus, qvi habet perversum cerebrum. Grillig / gestuosus [...]. Er hat vil humlen / mucken / tauben / meußnester oder grillen im kopff [...]. Grillemair / grillart / fantast / gestuosus [...]. Ein seltzamer grillenmair / Sihe fantasei. PR. Wer allzeit hinden offen sitzt / | Vnd grillen vnd hoͤltzlin spitzt. | Vnd frembde Land nicht beschaut / | Der ist ein Aff inn seiner haut.
Vgl. ferner s. v.  7.