nachdenken,
auch
nachgedenken,
V.,
unr.:
nachdachte, nachgedacht
.
1.
›über etw. / (selten:) jn. nachdenken, über etw. grübeln, etw. hin und her überlegen, etw. bedenken‹; vgl.  13,  1; offen zu 2.
Phraseme:
jm. etw. zu argem nachgedenken
›jm. etw. übelnehmen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, (V.) 1235,  2,  1,  345,  2, , ,  1, .
Syntagmen:
die heiligkeit n
.;
e. S
. (Dat.obj.)
tief n., einem dinge / nachtgespenst
, mehrmals:
einer sache n
.;
jm. n
.; subst.:
ein nachdenken verursachen, ein nachgedenken haben, zu [...], ein tuch ein nachdenken geben, als [...]
;
jm
. (refl.: ›sich‹)
eine sache mit nachdenken
(subst.)
angelegen sein lassen
.
Wortbildungen
nachdenkung
(dazu bdv.: , , ),
nachgedächtig
.

Belegblock:

wer da wil, der dencke diser sachen baß nach.
Ebd. (
1537
):
wer der sachen nachdencket, muss bekennen, das eines Menschen wort [...] dringet durch mit gewalt.
Stambaugh, Friederich. Saufft.
12, 9
(
Frankf./O.
1557
):
Denn dencke im doch nach. Wer ist Gott? Und wer sind wir?
Peil, Rollenhagen. Froschm.
617, 3490
(
Magdeb.
1608
):
Ließ daran weisse tuͤcher hangen / [...] / Die solten ein nachdencken geben / | Als hielten da vber der Tieff / | Noch andre etlich hundert Schiff.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
114
(
pfälz.
,
1436
):
das die sele jn etlichem wege gar nahe sy alle dinck von der jnbildunge aller dinge, die jn der sele geschehent, so sie allem dinge nachdenckt, als da ein antlitz aller antlitz gestalt an sich nemme.
Schwartzenbach (
Frankf.
1564
):
Eim ding nachdencken / nachsinnen / nachtrachten.
Ulner (
Frankf.
1577
):
besehen / zu hertzen fuͤhren / nachdencken / erwegen / behertzigen / besinnen / auff der Goldwaage wiegen.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
260b, 37
(
Frankf./M.
1649
):
Wann solches geschicht [...] / werden sie ihnen die Sache / mit grosserer vorsorg / fleiß / vnd nachdencken / angelegen sein lassen.
Sachs (
Nürnb.
1556
):
Deim raht wil ich sein nach-gedechtig, | Frau schwiger.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Daß jhn nicht hindert leibeslust, | [...] | So kan er desto baß Studirn, | Mit gedancken weit speculirn | Vnd einem ding tieff dencken nach.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
332
(
Genf
1636
):
nachdencken / Behertzigen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
um 1530
):
so hette der kaiser ursach zuͦ ainem rhatt und der gemaindt, sie zu straffen, und suͦnst vil andere nachgedenckhen.
Rot
311
(
Augsb.
1571
):
Fantasei, Nachdenckung oder sinnung / Fantasierung / da einer mit den sinnen hin vnd wider fert.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Betrachten / bedencken / besinnen / erwegen / dichten / nachdencken.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
es ist gesaczt in der mesz das mann chainerlay nochgedencken sol dan allain die heylikait der mesz.
Nyholm, Füetrer. Gralepen
2307, 4b
(
moobd.
,
1473
/
8
):
ich pitz durch ew̆re tugent, das ir zu argem mirs nicht nach gedencket!
Boon, St. Prätorius
38, 8
;
Opitz. Poeterey
10, 34
;
Rupprich, Dürer
163, 55
;
Dietrich. Summaria
25r, 1
;
v. Keller, a. a. O. ;
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 442, 16
;
Roloff, Brant. Tsp.
194
;
Veith, Bwb. .
2.
›sich fragend, forschend mit etw. befassen, etw. zu erforschen, ergründen, erfahren trachten‹;
vgl.  13,  12.
Bedeutungsverwandte:
,  3, ; vgl.  1.

Belegblock:

Luther, WA (
1524
/
7
):
Es ist ein trefflich ding gewesen, wiewols hie mit kurtzen worten beschrieben ist, aber wenn man im nachdencket und rechnets aus, so ist es ein gros wunderbarlich ding.
Ebd. (
1526
):
Wie wol solchs nicht mit ausgedruͤckten worten ynn diesen spruͤchen gesagt wird, so ist es doch gewislich drynne und gebens die wort fein, wo man den Text recht ansihet und yhm nachdencket.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
44, 30
(
Magdeb.
1608
):
Wollet den Reymen ohn beschweren / | Mit gutem nachdencken zu hoͤren.
Rudolph, Qu. Trier (
mosfrk.
,
1593
/
4
):
Sollen sich auch bescheidentlich mit bier-zeichen außer ihren handen zu geben verhalten, daß ihnen dardurch kein nachdenckens oder nachredens gebiere.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
259a, 39
(
Frankf./M.
1649
):
Geistliche Maͤnner / welche diese, Hexenwerck gar fleissig vnd embsig nach gedacht.
Goldammer, Paracelsus
4, 249, 5
(
1530
):
darumb sollen wir verstendig sein [...], lernen und erfahren, ergrunden und nachdenken den werken gottes.
Turmair (
Augsb.
1517
):
philosophari ,mit den kunsten, kunstlichen dingen umbgeen, nachforschen, suechen, davor reden, schreiben, wissen wellen, erfaren, nachgedencken, der warhait rechten grund, [...] liebhaben’.
3.
›e. S. (z. B.
der üppigkeit
) nachgehen / huldigen; etw. zu tun beabsichtigen; etw. erstreben, auf etw. hinarbeiten‹;
vgl.  3,  5.
Bedeutungsverwandte:
 3,  2, ; vgl.  1.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Altiùs rei intendere. Nachtrachten nachdencken nachsetzen nachwerben.
Perez, Dietzin
1, 410, 9
f. (
Frankf.
1626
):
Mit diesen [...] worten dachte sie je mehr vnd mehr nach / sich an diesem Moͤrder zu rechen.
Dietrich. Summaria
25r, 2
(
Nürnb.
1578
):
die / so im Himelreich woͤllen groß sein / muͤssen dem nit nachdencken / wie sie fuͤr der welt woͤllen groß vnd herrlich werden.
Maaler (
Zürich
1561
):
Nachdencken. Cogitare. Der üppigkeit Nachdencken.
Strauch, Schürebrand (
els.
,
E. 14. Jh.
):
wellent ehte ir den künftigen frühten noch gedencken, alse die kündigen dienstmegede und die gritigen arbeiter und guͦt gewinner.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
daß sie zuͤ dem regiment gebraucht worden, dem sie alle tag ires lebens nie nachgedacht oder nachgewandert, auch aller ding darzuͤ untauglich.
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
v. Maren, Marquard. Ausgabe
112, 22
.